Hast Du das Gespräch vielleicht schon längst geführt - Nur eben allein in Deinem Kopf?
Du möchtest etwas ansprechen. Vielleicht in Deiner Familie, in Deiner Partnerschaft oder im Beruf. Vielleicht geht es um Geld, eine Entscheidung oder um etwas, das Dich schon länger beschäftigt.
Und noch bevor das Gespräch überhaupt stattgefunden hat, weißt Du scheinbar schon, wie es laufen wird.
“Das wird er sowieso ablehnen.”
“Ich weiß genau, wie sie darauf reagiert.”
“Das brauche ich gar nicht anzusprechen. Er möchte es ohnehin nicht.”
Genau das erlebe ich in Gesprächen immer wieder. Die Antwort des anderen steht im eigenen Kopf bereits fest - bevor das Gespräch überhaupt beginnt.
Kommt dir das bekannt vor?
Dann hast Du möglicherweise nicht nur Dein eigenes Gespräch vorbereitet. Du hast auch die Antwort Deines Gegenübers gleich mit übernommen.
Eine gute Gesprächsvorbereitung beginnt bei Deiner eigenen Haltung
Wenn wir uns auf ein schwieriges Gespräch vorbereiten, überlegen wir häufig zuerst, was wir sagen möchten. Wir suchen nach den richtigen Worten und denken darüber sofort darüber nach, wie unser Gegenüber reagieren könnte.
Für mich beginnt gute Gesprächsvorbereitung einen Schritt früher: bei der eigenen Haltung.
Mit welcher Erwartung gehe ich in das Gespräch? Habe ich meinem Gegenüber innerlich bereits eine bestimmte Rolle gegeben? Bin ich überzeugt, seine Reaktion schon zu kennen? Oder bin ich bereit, mich von seiner Antwort überraschen zu lassen?
Überlass Deinem Gegenüber seine Antwort
Du darfst (und solltest Dich auch) auf ein schwieriges Gespräch vorbereiten. Es ist gut, wenn Du Dir darüber Gedanken machst, was Dir wichtig ist und was Du sagen möchtest. Auch mögliche Reaktionen Deines Gegenübers darfst Du gedanklich durchspielen.
Die tatsächliche Antwort gehört jedoch Deinem Gegenüber.
Vielleicht reagiert er genauso, wie Du es erwartet hast. Vielleicht überrascht er Dich aber auch. Vielleicht hat sich seine Haltung inzwischen verändert. Oder Du erfährst etwas, das Du bisher noch gar nicht wusstest.
Wenn die Antwort Deines Gesprächspartners in Deinem Kopf bereits feststeht, wird der Raum für ein wirkliches Gespräch sehr klein.
Offen in ein Gespräch zu gehen bedeutet dabei nicht, das eigene Anliegen aufzugeben. Im Gegenteil: Du kannst sehr klar wissen, was Dir wichtig ist - und gleichzeitig offen dafür sein, was Dein Gegenüber zu sagen hat.
Kläre Deine Seite des Gesprächs
Eine gute Vorbereitung bedeutet für mich vor allem, die eigene Seite zu klären. Dabei können Fragen helfen. Nimm Dir ruhig etwas Zeit dafür und schreib Dir Deine Antworten auf.
Was möchte ich wirklich ansprechen?
Was ist der zentrale Punkt? Gerade wenn Dich ein Thema schon länger beschäftigt, sammeln sich schnell weitere Situationen, Enttäuschungen und Argumente an, die mit dem zentralen Thema in keiner direkten Verbindung stehen und hierdurch zu Verwirrung führen können.
Versuche deshalb für Dich herauszufinden: Worum geht es mir in diesem Gespräch wirklich?
Was ist mir daran wichtig?
Hinter einem konkreten Anlass steckt häufig noch etwas anderes. Ein Bedürfnis. Vielleicht möchtest Du ernst genommen werden, Klarheit bekommen, eine Entscheidung treffen oder bestehende Vereinbarungen ändern.
Wenn Du weißt, was Dir wichtig ist, kannst Du im Gespräch klarer bei Dir bleiben.
Was wünsche ich mir von diesem Gespräch?
Möchtest Du etwas klären? Möchtest Du die Sicht Deines Gesprächspartners kennenlernen? Möchtest Du gemeinsam nach einer Lösung suchen? Oder möchtest Du zunächst etwas aussprechen, das Dich schon länger beschäftigt?
Hier geht es um Dein Anliegen für das Gespräch - nicht um die Antwort, die der andere Dir geben soll.
Bin ich bereit, eine Antwort zu hören, die ich noch nicht kenne?
Diese Frage ist für mich besonders wichtig, denn hier bekommt das Zuhören eine zentrale Bedeutung.
Ein Gespräch besteht grundsätzlich aus zwei Perspektiven. Wenn ich innerlich bereits weiß (oder glaube zu wissen), was der andere denkt, möchte oder antworten wird, höre ich möglicherweise nur noch das, was meine Erwartung bestätigt.
Offen in ein Gespräch zu gehen bedeutet, Raum für eine Antwort zu lassen, die anders ausfallen darf als Du erwartet hast.
Vielleicht ist genau das für Dich eine gute Vorbereitung auf ein schwieriges Gespräch: Klar zu wissen, was Dir wichtig ist - und offen zu bleiben für das, was Dein Gesprächspartner zu sagen hat.